16.07.2006 - The same procedure........
Fast schon mechanisch mach ich die Betten, wenn er weg ist. Alle zwei Wochen dasselbe. Derselbe Ablauf. Ich gehe durch die Zimmer, sehe mir die Stellen an, an denen kurz vorher noch seine Sachen lagen.
Die leere Stelle im Badezimmerschrank, wo kurz vorher noch sein Kulturbeutel stand. Der Schrank im Schlafzimmer, auf dem seine Tasche stand. Mein Stepper im Wohnzimmer, der ihm immer als Kleiderständer dient.......
Es ist bedrückend. Und nichts kann ablenken. Weil es einfach so niederschmetternd ist, festzustellen, dass man jetzt wieder alleine ist - bis zum nächsten Wochenende in zwei Wochen (sofern nichts dazwischen kommt).
Anfangs dachte ich, dass ist ok. Nach 5 Jahren Singledasein ist es sowieso nicht so einfach, sich wieder auf einen Menschen einzustellen. Da ist diese räumliche Trennung von fast 300 km ganz gut. Aber ich merke, dass ich mich getäuscht habe. Ich merke, dass ich mehr möchte.
Die Einsamkeit erdrückt mich jedes Mal, wenn er weg ist. Ich habe einen Horror davor, gleich schlafen zu gehen. Es liegt niemand neben mir. Und ich denke mit Grauen daran, morgen früh alleine aufzustehen.
Dabei ist es ja nicht so, dass wir in den paar Stunden, die wir dann haben, permanent etwas unternehmen oder reden. Im Gegenteil .... wir können wunderbar zusammen schweigen. Er sitzt vor dem PC, ich liege auf dem Sofa und höre Musik. Er schaut sich eine Sendung im Fernsehen an, ich döse vor mich hin oder mache was zu essen.
Am schönsten ist immer der Anfang des Tages. Wir sind beide sehr früh wach und können dann noch stundenlang schweigend und händchenhaltend im Bett liegen und Musik hören. Hört sich an wie ein Traum? IST ein Traum. Zumindest für mich.
Ich konnte noch nie so gut mit einem Menschen schweigen. Dieses stille Einvernehmen.......
Wobei wir auch mal debattieren können. Er schafft es immer wieder, mich zu ärgern. Wobei das nur Spaß ist und ich das auch so auffasse. Wir lachen zusammen, wir sind ernst zusammen.
Aber ich weiss auch, dass das alles nur eine Frage der Zeit ist und dass dieser Zustand mal vorbei sein wird. Er hat mir von Anfang an gesagt, dass er beziehungsunfähig ist und keine Beziehung in dem Sinne eingehen wird. Das heisst im Klartext, ich kann meine geheimen Träume von einem Zusammenleben in ferner Zukunft begraben. Und mit Zusammenleben meine ich nicht einmal eine gemeinsame Wohnung. Wobei ich mir gut vorstellen könnte, dass das wunderbar klappt, da wir beide oft unsere Ruhe brauchen und das auch wissen und akzeptieren.
Er spricht manchmal von einem gemeinsamen Urlaub, er spricht von einem Job für mich in seiner Nähe ...... und doch habe ich momentan das Gefühl, dass er sich innerlich von mir entfernt. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass er momentan Probleme und Sorgen hat sein privates Umfeld betreffend.
Aber der momentane Zustand zerrt immer mehr an meinen Nerven. Ich bin unausgeglichen und oft schlecht gelaunt oder traurig. Und das Schlimmste ist, dass ich nicht mit ihm darüber reden kann. Er würde es nicht verstehen. Wahrscheinlich würde ich ihn dann noch schneller in die Flucht schlagen. Müsste er doch Angst haben, dass sein Eremitentum in Gefahr ist. Also muss ich so tun, als würde mir das alles nichts ausmachen. Wobei ich ihm schon mal geschrieben habe, dass ich ihn vermisse. Aber in einem lockeren Ton, der nicht vermuten lässt, wie es wirklich in mir aussieht. Aber soll ich ihm die Ohren vorjammern? Er hat auch ohne meine Probleme schon genug am Hals.
Ausserdem habe ich ja eigentlich keinen Grund zu jammern. Ich habe mehr, als ich die ganzen letzten Jahre hatte. Aber anstatt mich darüber zu freuen, verzweifel ich daran. Wie soll ein anderer das verstehen, wenn nicht mal ich es kann?
Ich konnte einige Jahre sehr gut alleine sein. Ich habe es genossen und es hat Spaß gemacht. Aber das letzte Jahr wurde doch schon sehr schwierig. Ich habe deutlich gemerkt, dass ich nicht dazu geboren bin, mein Leben alleine zu gestalten. Mir fehlt jemand an meiner Seite. Der mit mir zankt, der mich liebt, der mit mir lacht und der mit mir schweigt.
Wenigstens habe ich jetzt ab und zu so jemanden um mich. Allerdings habe ich dieses Mal deutlich gemerkt, dass ich es nicht geniessen kann. Dass ich bei seiner Ankunft schon daran denke, das er einige Stunden später wieder wegfährt. Das trübt meine Stimmung doch deutlich.
Aber wie soll das weitergehen? Was soll ich machen? Soll ich alles beenden, bevor es noch schlimmer wird? Soll ich die Stunden so lange wie möglich geniessen? Oder soll ich hoffen, dass vielleicht doch alles ganz anders kommt als ich es vermute?
So habe ich wenigstens ab und zu etwas, auf das ich mich freuen kann. Auch wenn diese Wochenenden immer viel zu schnell vorbei gehen. Hätte ich diese Stunden nicht, würde ich - wie im letzten Jahr - jedes Wochenende heulend vor dem PC sitzen und mit mir und meinem Schicksal hadern. Und ich müsste mir permanent die Aussagen der Menschen in meinem Umfeld anhören "Du musst mal raus, unter Leute". Super. Ich will nicht raus. Ich will nicht unter fremde Leute. Was soll ich da? Das bedrückt mich noch mehr und meine Laune sinkt erst recht in den Keller. Aber das kann keiner verstehen.
Wieso ist immer alles so kompliziert?
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